Liebes Publikum,

seit 2005 veranstaltet der Initiativkreis Freie Musik in Köln (IFM) und sein IFM Projekte e.V. die Kölner Musiknacht. 2016, im zwölften Jahr des Formats, haben wir uns gefragt: Braucht diese Stadt noch eine Musiknacht, brauchen die Musiker dieser Stadt noch eine Musiknacht und braucht der IFM noch eine Musiknacht? Der IFM wurde 1999 als Vereinigung der freiberuflichen professionellen Kölner Musikerinnen und Musiker, Ensembles, Veranstalter und Spielstätten gegründet. Hier entstand 2004 die Idee, eine Musiknacht zu veranstalten, um auf die prekäre Lage der freien Musiker aufmerksam zu machen. Seitdem ist einiges passiert: Durch stetiges kulturpolitisches Wirken wurde der Etat des Kulturamts für die gesamte freie Szene erhöht, zuletzt in diesem Jahr, und auch 2017 wird es einen Zuwachs für die Sparten Musik, Tanz, Theater, Film und Bildende Kunst geben. Dass die Politik diesen Handlungsbedarf erkannt hat, ist ein gutes, ein Hoffnung stiftendes Zeichen, über das man sich freuen darf. Doch das Ziel, der freien Musikszene Kölns die Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie als eine der zentralen Triebfedern des kulturellen Lebens unserer Stadt verdient, ist längst noch nicht erreicht.

So kann die Antwort auf die eingangs gestellten Fragen nur lauten: Ja, Köln braucht eine Musiknacht, damit die Musiker der Öffentlichkeit zweierlei vor Augen führen können. Zum einen die ungemein vielfältige professionelle freie Musikszene dieser Stadt, die in ihrer Vielfalt, Qualität und Innovation zu den spannendsten, erfolgreichsten und bekanntesten in Deutschland gehört. Zum anderen wollen wir aber auch die immer noch bestehende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit thematisieren, die sich nicht zuletzt darin zeigt, dass trotz der Verbesserungen der letzten Jahre vor allem die Themen Raum und Geld nach wie vor virulent sind – fehlende Auftritts- und Probemöglichkeiten oder die Forderung nach einer Mindestgage sind hier zu nennen. Ja, die Musiker in Köln brauchen eine Musiknacht. In einer eindrucksvollen Abstimmung über die Fortführung des Formats sprach sich das Plenum einstimmig für den Erhalt der Veranstaltung aus. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von dem Geist des Gemeinsamen, der einer solchen Veranstaltung innewohnt, bis hin zur Übermittlung der politischen Botschaft. Ja und auch der IFM braucht eine Musiknacht, denn als kulturpolitisches

Sprachrohr der freien Musikszene können die Forderungen des IFM hier einmal im Jahr gebündelt und konzentriert während der zahlreichen Konzerte übermittelt, bekräftigt und verdeutlicht werden, denn 300 Musiker sind in 60 Konzerten an fast 20 ausgewählten Spielorten die ganze Nacht hindurch zu erleben. Die Musiknacht ist also nicht gedacht als ein Festival, bei dem die Musiker und Veranstalter der freien Szene zeigen wollen, was sie mit kleinstem Etat in der Lage sind auf die Beine zu stellen. Seien Sie herzlich eingeladen, Kölns Musikszene zu entdecken und einzutauchen in die große Vielfalt und Einzigartigkeit, die sich hier an jedem Spielort, in jedem Konzert und in jeder Interpretation zeigt. Köln kann zu Recht stolz auf seine Künstler sein, deren Leidenschaft, Engagement und Innovationsgeist nicht unwesentlich zur kulturellen Bedeutung der Stadt auch über die Landesgrenzen hinaus beiträgt. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser unverzichtbaren Akteure beständig zu verbessern, ist die große kulturpolitische Aufgabe, die vor uns liegt. Seien Sie dabei!


Barbara Schachtner, Hans-Martin Müller, Daniel Mennicken
INITIATIVKREIS FREIE MUSIK