INITIATIVE KLASSIK KÖLN

2017 bildete sich die ›Initiative Klassik Köln‹ – ein Interessenkreis der freien, klassischen MusikerInnen in Köln, Kammermusiker, Solisten und Ensembles, die sich hauptsächlich im klassisch-romantischen Repertoire bewegen. Die ›Initiative Klassik Köln‹ hat sich dabei bewusst als Untergruppe des ›Initiativkreises Freie Musik‹ Köln (IFM) gegründet, um diese ›Dachorganisation‹ aller freien Musiker in Köln tatkräftig zu unterstützen.

Es gibt heute eine Vielzahl von hochkarätigen freien Ensembles und Solisten, die Köln als ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt gewählt haben. Viele Musiker in festen Stellen betätigen sich zusätzlich in freien Ensembles. Und sie alle betreffen kulturpolitische Entscheidungen oder Weichenstellungen, die ihre Arbeit positiv oder eben auch negativ beeinflussen können. In allen Sparten der ›Ernsten Musik‹ gilt es heute, vor allem junge Menschen für Konzerte zu begeistern. Viele Ensembles schlagen dabei neue, sehr spannende Wege ein, um das klassisch-romantische Repertoire zeitgemäß zu präsentieren. Oft sind es dabei ganz ungewöhnliche Formationen, die mit eigenen Arrangements das ›angestaubte‹ Repertoire in einen neuen Zusammenhang setzen und ein junges Publikum begeistern. Und gerade hier ist die freie klassische Szene in Köln besonders innovativ und vielfältig.

Diesem fantastischen Reichtum eine Plattform zu geben, mehr Möglichkeiten, sich in Konzerten zu präsentieren und eine breitere Öffentlichkeit in Köln zu erreichen – das ist das Ziel der ›Initiative Klassik Köln‹. Fünf Punkte hat die ›Initiative Klassik Köln‹ erarbeitet, bei denen großer Handlungsbedarf für eine zielgerichtete Förderung der Ernsten Musik durch Politik und Öffentliche Hand besteht:

¬ Auch wenn beim Bau des Rautenstrauch-Joest-Museums die Gelegenheit verpasst wurde, in Köln einen Kammermusiksaal zu errichten, sollte man dieses ›Langziel‹ nicht aus den Augen verlieren. Zu groß ist die Gefahr, dass die Musikmetropole Köln durch diesen Mangel immer mehr abgehängt wird. Wenn die Errichtung eines Kammermusiksaals mit der städtebaulichen Erschließung des Deutzer oder Mülheimer Hafens verbunden würde, könnte sich hieraus ein Meilenstein im Musikleben der Stadt Köln entwickeln – mit einem Programm, das von der freien Szene gestaltet wird und sich gerade nicht am üblichen ›Klassik-Mainstream‹ orientiert.
¬ Zentrale, für Konzerte relativ gut geeignete Säle wie im Gürzenich oder der Flora sollten sich wieder mehr der Öffentlichkeit mit Konzerten präsentieren können. Es ist traurig, dass diese für Köln so wichtigen Orte fast ausschließlich für Firmenkongresse und Karnevalsveranstaltungen genutzt werden und ansonsten wie ausgestorben im Herzen der Stadt stehen.
¬ Die einzigen akustisch für Kammermusik überzeugenden Säle in Köln sind die Funkhaus-Sendesäle im WDR und im Deutschlandfunk. Ein gemeinsamer Vorstoß des IFM und der Stadt Köln könnte die Sender überzeugen, Köln-spezifische Reihen ins Programm aufzunehmen.
¬ Wenn im Sommer die Orchester Saisonpause haben, könnte sich die freie Szene mit einem Festival aller Sparten der Ernsten Musik präsentieren und zeigen, wie großartig die Musikszene in Köln aufgestellt ist.
¬ In den letzten Jahren haben sich die Möglichkeiten zur Kulturwerbung im öffentlichen Raum der Stadt Köln stetig verschlechtert. Immer mehr Plakatwände und Litfaßsäulen zum Bekleben wurden durch moderne, elektrisch betriebene Anlagen ersetzt, für die ausschließlich Jahrestarife zu hohen Preisen angeboten werden. Die Stadt Köln sollte dringend mit allen Vertretern der Kulturszene ein Konzept erarbeiten, wie wieder mehr Kulturwerbung im öffentlichen Raum zu erschwinglichen Preisen möglich wird.


Tobias Kassung
SPRECHER DER INITIATIVE KLASSIK KÖLN
KÜNSTLERISCHER LEITER DES KÖLNER KLASSIK ENSEMBLES