NEUE MUSIK

Mit der traditionsreichen Kölner Gesellschaft für Neue Musik e. V. (KGNM) und dem aus einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes hervorgegangenen Netzwerk ›ON – Neue Musik Köln e. V.‹ verfügt die freie Kölner Szene der Neuen Musik über zwei Institutionen zur Bündelung der künstlerischen Bewegungen, die sich in ihren Aufgaben ergänzen und – wo sinnvoll – zusammenarbeiten. Während die KGNM als Mitgliederverein vorrangig Ansprechpartner für Komponisten ist, wird ON immer mehr als direkte Anlaufstelle für die ausübenden Künstler wahrgenommen.

Köln verfügt über eine äußerst lebhafte und umtriebige Ensembleszene, die seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des nationalen und internationalen Konzert- und Festivalbetriebs ist. Hier beheimatete Musikerinnen und Musiker sind als Gäste regelmäßig in den weltweiten Spitzenensembles für Zeitgenössische Musik zu hören. Um allerdings außerhalb Kölns sichtbar werden zu können, braucht es Möglichkeiten, Repertoire zu bilden. Hier wird aus den Erfahrungsberichten der Interpreten deutlich, dass eine reine Projektförderung keine Chancen für Strukturaufbau lässt. Werden beispielsweise im Bereich Tanz schon immer die Begriffe ›Produktion‹ und ›Abspiel‹ klar unterschieden und berücksichtigt, wird bei Musikern der Aspekt der Produktion (mit Ausnahme von Kompositionsaufträgen) vernachlässigt.

Allerdings wäre gerade im Bereich der Neuen Musik, in dem oftmals aufwendige Projekte realisiert werden, die mit enormem Proben- und Produktionsaufwand verbunden sind, eine Investition in genau diesen Teil der Ensemblearbeit eine echte Hilfe auch zur Professionalisierung solcher Ensembles, die gerade den Schritt vom Studium zu Vollerwerbstätigkeit vollziehen. Um so professionell und erfolgreich arbeiten zu können, wie jene es gerne täten, bräuchte es Räume, Technik sowie technisches Personal. All dies ist keine Frage des Angebots, sondern der finanziellen Mittel. Ideal wäre z. B. eine Anschubförderung, die es jungen Künstlern über einen bestimmten Zeitraum ermöglicht, sich eine Existenz aufzubauen, denn einmal aus dem vorgenannten Kreislauf entkommen, könnten junge Künstler ungezügelt kreativ tätig sein und der Kölner Szene neue Impulse verleihen, die die Attraktivität des Standorts Köln auch für die Zukunft sichern.

Ebenfalls lauter wird der Wunsch nach mehr Pluralismus auf der Festivalebene in der Stadt. Wünschenswert wäre eine Entwicklung der Fördervorhaben hin zu einem größtmöglichen Bild der Diversität, in der jede Strömung und jede Formation die Chance bekommt, sich zu zeigen und somit zu festigen.


Sarah Heemann und Daniel Mennicken
ON – NEUE MUSIK KOELN E.V.