AG GLOBALE MUSIK IM IFM

Köln ist als älteste deutsche Großstadt, seit über 2.000 Jahren Tor und Ohr zur Welt. Es gibt keine andere Stadt in Deutschland, in der von der römischen Gründung bis heute eine starke und untrennbare Einheit aus lokalen Musiktraditionen und lokaler Identität gelebt wird. Gleichzeitig gibt es die Klanglandschaften der sogenannten ›Immis‹, der Zugereisten, Migranten und Flüchtlinge, die fast 40% der Stadtbevölkerung ausmachen. Sie alle bringen eine Vielfalt musikalischer Musikstile, Instrumente und Künstlerpersönlichkeiten mit in die Stadt. Diese wachsende Diversität prägt zunehmend auch die ›einheimischen‹ Musiker, sei es durch die Aneignung ›exotischer‹ Traditionen oder die Erweiterung des individuellen Klangrepertoires.

Es ist überfällig, dass auch diese Akteure eine Anerkennung, Stimme und Plattform innerhalb der kommunalen Musiklandschaft erhalten. Deshalb fand am 18.7.2017 im Domforum eine öffentliche Versammlung von gut 25 Aktiven und mit lebendiger Diskussion über den Sinn und Zweck einer gemeinsamen Interessenvertretung statt, die sich nun als ›AG Globale Musik im ifm‹ konstituiert hat. Einhellig wurde festgestellt, dass eine gemeinsame AG die Chancen auf eine faire Teilhabe, Wahrnehmung und öffentliche Förderung erhöhen würde. In der Folge wurde vereinbart, dass die weiteren Diskussionen über die Rolle der Globalen Musik und ihrer Repräsentanz in Köln Teil der Arbeit dieses offenen Kreises werden soll. Einig war man sich auch darüber, dass die gemeinsamen Grundlagen zunächst einmal sehr offen gehalten werden, da der verbindende Aspekt der ›Sparte‹ ausdrücklich kein musikalisch-stilistisches Genre im Sinne der klassischen Musikgattungen ist, sondern die Heterogenität und Pluralität musikalisch-kultureller Vielfalt. Dazu gehören alle Spielarten der bereits eingeführten Subgenres – World Music/Weltmusik, Folk, außereuropäische Klassik, traditionelle Musik – sowie regional basierte Musikkulturen und Fusionen verschiedener Musikstile.

Welche Ziele sich die neu gegründete ›AG Globale Musik im ifm‹ über ihre Teilnahme im Initiativkreis freischaffender Musiker in Köln setzt, soll die weitere Diskussion ergeben. Naheliegend sind zunächst die Vernetzung der Szene und deren Stärkung im ifm und in der Kulturszene.

Wünschenswert wäre es, Spielräume und Organisationstrukturen zu schaffen, wie sie schon für andere Genres erfolgreich existieren – Neue Musik: ON und Musikfabrik; Alte Musik: ZAMUS; Jazz: Stadtgarten, Loft und KJK; Popmusik: c/o pop und KLUBKOMM; hinzu kommen diverse Konzerthäuser und Klangkörper, die erfreulicherweise alle institutionell geförderte Anlaufstellen, Festivals oder gar Zentren in Köln haben. Für die Szene globaler Musik gibt es bisher nichts Vergleichbares. Das Image Kölns als Weltmusik-Zentrum wird bis heute im Wesentlichen von privaten, ehrenamtlichen und gemeinnützigen Initiativen getragen, die nur auf punktuelle Unterstützung durch Fach- und Fördergremien zählen können. Es gibt bisher keine öffentlich geförderte Anlaufstelle, die sich mit den Belangen des enormen Potentials der Globalen Musik in Köln befasst, die vernetzt, wirbt, dokumentiert und archiviert, bei der Suche nach Spielstätten, der Erarbeitung von Konzepten, Förderanträgen und vielem mehr assistiert. Deshalb wird sich die ›AG Globale Musik im ifm‹ dafür einsetzen, dass diese Situation zukünftig in Köln nachhaltig geändert und die prekäre Lage der Szene globaler Musik verbessert wird. Im Zuge der aktuell diskutierten nachhaltigen Gestaltung der Kulturlandschaft in der Musikstadt Köln muss die adäquaten Förderung und Unterstützung aller musikalischen Ausdrucksformen inklusive der Globalen Musik als Verpflichtung angenommen werden (2005 – UNESCO Konvention zur kulturellen Vielfalt).


Birgit Ellinghaus und Jan Krauthäuser
AG GLOBALE MUSIK IM IFM